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Herkunft und Wandlung der Familiennamen
im Bexbacher Raum
Das Ende des Dreißigjährigen Krieges und der Beginn der Wiederbesiedlung
Der unselige Dreißigjährige Krieg hat unserer engeren Heimat, wie vielen anderen Gebieten der deutschen Lande, die Zerstörung der Dörfer und den wenig Überlebenden unbeschreibliche Not und
Elend gebracht. In den Orten des heutigen Stadtbereichs Bexbach gab es praktisch keine Menschen mehr, die Behausungen waren zum größten Teil verbrannt oder dem Verfall preisgegeben. Die wenigen Geflüchteten suchten,
in besser gesicherten Orten oder in Verstecken des Waldes oder der Schluchten ihr Überleben zu fristen.
Wie sein Nachbar, der Herzog von Zweibrücken, forderte auch Graf Ludwig von Nassau-Saarbrücken nach 1648 die wenigen Überlebenden auf, in ihre Dörfer zurückzukehren und ermunterte sie,
letztlich auch in seinem persönlichen und seiner Herrschaft Interesse, mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Nur zögernd kehrte mit ein oder zwei Familien wieder Leben in den verwüsteten Dörfern ein. Als geistlicher
Mittelpunkt entstand nach der Wiederherstellung der lutherischen Kirche anno 1664/65 der Sprengel Neunkirchen, dem u. a. die Orte Mittelbexbach und Oberbexbach angehörten. Höchen, Kleinottweiler und Niederbexbach
gehörten zum Herrschaftsbereich des Herzogs von Zweibrücken und warendadurch in die reformierte Kirche eingebunden.
Die Anwerbung fremder Siedler
Von den einstigen Einwohnern sind in den ersten Jahrzehnten nach 1648 in Mittelbexbach und Oberbexbach keine nachzuweisen, doch einige Unterkunftssuchende aus den Nachbarorten, die gegen
Ende des Jahrhunderts zumeist nach Wellesweiler und Neunkirchen zurückfanden.
Bis heute geblieben, sind die Nachfahren der Familien Kirschhock und Schmelzer, Dick, Kurtz und Bach, die sich untereinander durch Heirat verbanden.
Die leer gewordenen Dörfer gaben den Landesherrn Anlaß, in benachbarten Ländern Siedlungswillige anzusprechen, mit der Zusage, ihnen großzügig beim Aufbau einer Wohnstatt und eines Erwerbs
behilflich zu sein.
Die Schweizer Einwanderer
Die erste und wohl stärkste Zuwanderergruppe hatte sich von der seit 1648 vom Reich abgetrennten Schweiz her in Bewegung gesetzt. Das besagte Gebiet war unerträglich übervölkert, die
landwirt-schaftlich nutzbare Fläche ließ sich nicht vermehren, so daß die unübersehbare Notlage die Menschen zur Abwanderung trieb. Als Siedlungsraum boten sich u.a. das Elsaß, Lothringen und unsere verwaisten
Landstriche an. Dementsprechend vollzog sich auch der Wanderungsweg.
Laut Blatter stellten sich 1654 die ersten Ansiedler in der Grafschaft OTTWEILER (Herrschaft Nassau-Saarbrücken) ein. Zunächst zögernd, danach verstärkt bis ins Jahr 1720, um dann wieder
weniger zu werden.
Insbesondere das Berner Oberland, weniger das Züricher Gebiet, waren die Ausgangspunkte vieler hier ansässig gewordener Menschen mit praktischen Kenntnissen in der Landwirtschaft. Es kamen
überwiegend reformierte Christen.
Allesamt gelang es den Zuwanderern, die zunächst die Eheverbindungen unter heimatgleichen und nach- gezogenen Siedlern suchten, sich der dörflichen Situation und den Mitmenschen im Ort
anzupassen und letztlich sich mit ihnen zu verbinden.
Mit großem Fleiß, gepaart mit Können, gelang es ihnen sehr bald, über angepachtetes oder zugeteiltes Land, hin und wieder auch über Einheirat, zu Eigentumsland zu kommen.
Vor allem wurde der heutige Stadtteil NIEDERBEXBACH mit dem größten Bann und dem landwirtschaftlichen am besten nutzbaren Boden wesentlich mitgeprägt von den einstigen Berner Schweizern und
ihren seßhaft gewordenen Nachfahren, genannt seien - gemäß der heutigen Schreibweise - folgende Familiennamen:
Allmann, Baumann, Bähr, Behr, Binkle, Bischof, Born, Brünesholtz, Burkhardt, Chrißler, Conradt, Ecker/Eggerter, Eichler. Eintz, Euler, Eschmann, Flickinger, Frey, Frick, Ganther, Geiger,
Geith, Geiß, Grässer, Grünwald, Haag, Hock, Hirsch, Imbsweiler, Jakob, John, Jutzi, Keller, Kempf, Klein, Krehbiel, Lehmann, Lenhardt, Leonhardt, Leibenguth, Martin, Matheis, Meyer, Moser, Munsinger, Panther, Pauly,
Regitz, Ringeisen, Ritter, Russy, Sandmeyer, Schaller, Schindler, Schleppi, Schmolzi, Schwitzgebel, Schwender, Städtler, Stalter, Sutter, Ulrich, Welter, Wern, Winkler, Zahn, Zeiger, Zinsmeister.
(Quellen: Luther. Kirchenbücher Neunkirchen; "Schweizer Einwanderer im Westrich 1650-1750) Zweibrücker AG. für Familien Forschung; "L'Immigration
Suisse dans les paroises du Comté de Nassau-Saarwerden après la Guerre de Trente Ans" von R.Greib; "Wer waren unsere Vorfahren", von F. Blatter).
Die Tiroler Einwanderergruppe
Neben den Einwanderern aus der Schweiz kamen zeitlich aber etwas später, aus Tirol und dem Allgäu (Vorarlberg, Montafon, Oberes Inntal), vornehmlich aus den katholischen Kirchenbüchern von
Mittel-bexbach abzulesen, Katholiken, mit besten handwerklichen Kenntnissen als Maurer, Steinmetze oder Zimmerleute, aber auch als Waldarbeiter, weniger als Landwirtschafts- und Viehkundige.
Sie trugen die Namen (wiedergegeben nach der heutigen Schreibweise):
Albert, Basler, Bechtel, Behr, Berwanger, Breit, Boleier, Eisel, Eisele, Fell, Feller, Frey, Ganther, Hauser, Hertz, Ihl, Jennewein, Jung, Korber, Lambert, Lehberger, Lothschütz,
Leonhardt, Lenhardt, Müller, Neurohr, Ranker, Schiestel, Schmitt, Sticher, Weber, Welter.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts sind weitere Tiroler Namensträger aus den Nachbardörfern und Städten nach hier gekommen und ergänzten die Einwohnerschaft.
Die Tiroler Einwanderer haben sich schneller eingegliedert. Dies gelang ihnen überwiegend durch Heirat, sprich Einheirat, und weniger Abkapslung als die Schweizer. Fast immer kamen sie
einzeln, bezüglich der angestammten Religion nahmen sie es bei passender (Ehe-) Gelegenheit nicht so genau.
Das streng katholisch orientierte geistliche Gebiet " Erzbistum Salzburg" mit seiner Unduldsamkeit gegenüber Andersgläubigen hat gar manchen evangelischen Christen zur Auswanderung
veranlaßt. Einige von ihnen, darunter auch ein Aulenbacher, fanden den Weg über die Pfalz in unsern Landstrich.
Der Hauptstrom der Zuzügler aus dem Alpenraum versiegte gegen Ende des ersten Viertels des 18. Jahrhunderts. Nur noch wenige kamen in den späteren Jahrzehnten in unsern Stadtbereich,
erinnert sei an Schuchter als Gipser.
( Näheres siehe: a) Die kath. Kirchenbücher Bexbach , b) Die Einwanderung Tiroler Bauhandwerker i. d. li. Rheingebiet 1660-1730 von Drumm; c) Die Einwanderung aus Tirol u. Vorarlberg in die Saargegend, von W. Petto).
Zuwanderungsschub aus französischsprechenden Gebieten
Im Verlauf der Wiederbesiedlungsaktion (1680 bis 1697) unseres Raumes, und zwar infolge der gewalt-mäßigen Annexion der linksrheinischen Gebiete durch den französischen König, Ludwig XIV.,
der sogenannten Reunion, aber auch den verlockenden Ansiedlungsbedingungen, treten in erheblichem Um-fang fremdsprachliche, vornehmlich französisch klingende Familiennamen auf. So kamen im Sinne des
"friedlichen Durchdringens" der annektierten Gebiete viele katholische Beamte, Kaufleute, Händler, und Landwirte in die Stadt Homburg und ihr Umland, dazu gehörig auch der jetzige Stadtbereich Bexbach, als
Neusiedler zu den bereits seßhaft gewordenen Einwohnern. Da auch diese alle katholisch waren, entstand 1686 wieder die katholische Pfarrei Mittelbexbach, die zuständig war für das Dorf gleichen Namens, die Dörfer
Wellesweiler, Niederbexbach, Kleinottweiler, Oberbexbach, Höchen, sowie den später entstandenen Wohnplatz Frankenholz (1696/97). Die neu entstandenen Dörfer Hangard (1680) und Münchwies (1690) gehörten ebenfalls zu
der "königlichen" Pfarrei, deren Pfarrer von der französischen Krone besoldet wurde.
Bekanntlich endete die Franzosenzeit anno 1696, doch viele der im Zuge der französischen Heere in den Festungsbereich Homburg gekommenen sowie angesiedelten Einzelpersonen und Familien im
Umland blieben an ihren Wohnorten, sie hatten nicht die Absicht, ihre neue Heimat zu verlassen.
Hier ist auch der Zuwachs von Familien zu nennen, die hauptsächlich aus den ebenfalls französisch sprechenden Gebieten des ehemaligen Bistums Lüttich (Wallonen und Luxemburger) von den
Arbeitsmöglichkeiten bei der Neunkircher Eisenschmelze als Holzfäller, Köhler oder Eisenschmelzer angezogen wurden.
Übrig geblieben sind die teils eingedeutschten Stammnamen, so wurde aus
Allmann Allmon, L´Allman(d), Lalmann, Anton Antoine, Basler Beauseler, Basseler, Basler, Benoist Benoit, Charrois Scharwath, Scharrois,
Corbe, Corbe´ Corbeille, Corbey, Korbe, Korber, Defland Flandre, De Flandre, Le Flamen, Flamman, Degel Daigue, Dege, Deique, Didie Dydier, Didier, (moselfränkisch auch Dittgen)
Didion Didyon, Dumont Dûmont, Dumong, Durrang Durand, Durrant, Dubi Tupui, Dupuis, Duby, Gallo Galhaut, Gallheau, Gallot, Gallon, Gauthier Gautier, Gaudie,
Glutting siehe Kluding, Houy Huart, Houye, Huy, Kluding Gloutin, Cloudin, Cloding, Kopping Coppé, Coppin, Copping, Kuhn Cone, Cohn, Conne, Lefeber
Le feve, Lefebure, Le Febre, Lefevre, Lupp Loup, Louppe, Loupe, Mathieu Mathieu, Pirrung Piron, Perron, Pierin, Pyron, Birron, Prowald
d´aubronialle, Debronvalle, Hebronvalle, Brauwald, Provolt, Rischar Richard, Rischarde, Ruffing
Roufin, Rouffin, (diese Familie nannte sich bei der Niederlassungserlaubnis "Toussaint", anno 1709 benennt der Pfarrer den Bräutigam "Peter Toussin ou Rouffin", anno 1711 benennt er einen anderen Bräutigam als "Jacob Rouffin, S.v. Toßin Michael". Vielerorts auch auch "Dussing" gesprochen und geschrieben.
Seiler Cordié, Cordier, Sailer, Schackmar Jaquemar, Schappé, Schappe, Gappe, Jabé, Jabet, Schirra Gerard, Girar, Spaniol Espaniol
Schlußbetrachtung:
Alle die vorgenannten Familien sind als "Bexbacher Stammfamilien" anzusehen. Die französische Sprache so wie auch das "Schweizer oder Tiroler Deutsch" gingen mit der Zeit
verloren, Eigenarten (wie Brauchtum, Mundart usw.) haben sich ebenfalls nicht durchgesetzt.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts kamen noch etliche Familien aus deutschen Landen hinzu. Es waren sach- und fachkundige Bergleute aus dem Mansfeldschen, aber noch mehr junge Männer aus den
deutschen angrenzenden Nachbarregionen, die Arbeit suchten.
Mit den Jahren war auch in unserem Raum eine Übervölkerung eingetreten und die Erträgnisse des kärglichen Bodens, ausgenommen der Dorfbereich von Niederbexbach reichten nicht aus, die
Menschen ausreichend zu ernähren, und so kam es zu den ersten Auswanderungen; es begann das Hinaustragen von Familiennamen in die östlichen Siedlungsgebiete sowie auf den amerikanischen Kontinent.
So verwundert es nicht, daß viele Nachkommen dieser Auswanderer in unserm Stadtbereich nach ihren Altvorderen sehr eifrig suchen und vielfach Hilfe benötigen.
Oberbexbach, im Januar 1997
Otto L. RUFFING
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